I love my job

Der Webentwickler – Leben im Hintergrund


 

Wir Entwickler gelten oftmals als Geeks. Wikipedia beschreibt den Geek folgendermaßen:

Geek bezeichnet heute allgemein eine Person, die sich durch großes Interesse an wissenschaftlichen oder fiktionalen Themen auszeichnet, die üblicherweise elektronischer oder phantastischer Natur sind. Quelle: Wikipedia.

Kommt hin. Meine Arbeit ist nicht nur elektronischer, sondern, in weitestem Sinne, auch phantastischer Natur. Wieso phantastisch? Ganz einfach: Ich denke mir täglich neue Sachen aus, die noch nicht existieren und auch „im echten Leben“ nie existieren werden.

Das Produkt meiner Arbeit existiert nur virtuell.

Manchmal beneide ich Handwerker. Ja, wirklich! Bäcker backen Brötchen, die von Kunden gekauft und gegessen werden. Tischler bauen (zum Beispiel) Möbelstücke, die nachher jahrelang beim Kunden stehen und wirklich hilfreich (oder zumindest schön) sind.  Handwerker haben am Ende ihrer Arbeit ein Produkt, das sie dem Kunden überreichen können. Ein Produkt, das angefasst werden kann. Dessen Wert man allein schon aufgrund des Materials und der investierten Arbeit erkennt.

Ich als Webentwickler kann diese Art Produkt nicht vorweisen. Ich schreibe Code. Code, den die meisten meiner Kunden niemals zu sehen bekommen werden. Das wollen die Kunden meist auch gar nicht!  Meine Kunden sind Website-Betreiber. Unternehmer, Vereine, Firmen. Sie alle verfolgen das selbe Ziel: Die Besucher ihrer Websites zu informieren, und im Falle von Unternehmen: Gewinn erzielen. Dabei ist es ihnen meist herzlich egal, wie der Code hinter dem schönen Design aussieht. Noch nie kam ein Kunde auf mich zu und sagte zu mir „Wow, diese Klasse ist ja super! Toll programmiert!“.

Aber das weiß man, wenn man sich für den Beruf des Webentwicklers entscheidet.

Wer Lob vom Kunden ernten will, sollte Designer werden.

Coder erhalten im Regelfall kein Lob vom Kunden. Unter Entwickler-Kollegen kann man mit seinem Code glänzen, aber der Kunde sieht nur das HTML, was hinten rauskommt! Und das zählt für ihn. Die Site muss ansprechend sein, dem User gefallen, den Zweck erfüllen. Das ist Aufgabe einer anderen Berufsgruppe: Der Web-Designer. Diese Menschen – zu denen ich nicht gehöre – haben ein Auge für Farben, Formen, ansprechendes Design. Im allerbesten Fall bekommt nun ein Entwickler wie ich ein Design, das er umzusetzen hat. Am Ende sieht der Kunde nur das Design – in einer funktionierenden Website.

Dass diese Website funktioniert ist Aufgabe des Webentwicklers. Er plant und strukturiert, denkt und programmiert. Dabei ist es enorm wichtig, vielschichtig denken zu können. Wieso? Nun, zum Beispiel weil eine schlechte oder überhastete Umsetzung einer Idee viele weitreichende Folgen haben kann. Das einfache Vergessen von „LIMIT 1“ in einem SQL-DELETE-Statement kann die gesamte User-, Artikel- oder Produktdatenbank des Kunden in den virtuellen Abfluss befördern. Ein euphorisch in die Unix-Konsole gehacktes rm -R /* sorgt für einen (verdienten) Herzinfarkt – dabei wollte man eigentlich nur rm -R * aufsühren. Und zerbläst dabei den Server des Kunden.

Planung ist alles!

Ihr seht: Man muss  planen. Genau arbeiten. Langsam, bedacht. Immer vier Schritte im Voraus und dabei noch in alle Ebenen quer gedacht. Die Änderungen in einer Klasse – mögen sie auch noch so klein sein – können gravierende Auswirkungen in den Child-Klassen haben.

Eine saubere Planung sorgt aber nicht nur dafür, dass man eine funktionierende Site hat – sie spart auch unglaublich viel Zeit. Wer sich die Zeit nimmt, vorab genau zu planen, spart sehr viel Zeit – und damit auch Geld – bei der eigentlichen Programmierung. Daher mein Tipp an alle angehenden Webentwickler: Nehmt Euch Zeit, ein Projekt zu planen. Geht spazieren! Raus an die frische Luft! Handy aus, alleine sein, nachdenken. Das hilft mir immer ungemein weiter.

24/7 oder „9 to 5“

Wer als Webentwickler arbeiten will, sollte sich darauf einstellen, viel zu arbeiten. Quasi 24 Stunden am Tag – denn Du wirst nachts um halb drei aufwachen und die Lösung des Problems parat haben, das

PublicDomainPictures / Pixabay
PublicDomainPictures / Pixabay

dich den ganzen vorherigen Tag gewurmt hat. Du wirst in Deiner gesamten Wohnung Notizblöcke und Stifte parat liegen haben, um Ideen und Lösungen aufzuschreiben, die die durch den Kopf schießen.

Und, wenn wir Entwickler mal ganz ehrlich sind:

Mindestens 30% der Websites entstehen gedanklich auf dem Klo.

Ob nun alleine auf dem Klo oder am Schreibtisch in der 80-Mann-Agentur: Es ist unser Job, stummen Designs Leben einzuhauchen. Wir sind Quasi die Götter des Internets – denn ohne uns Entwickler wären Websites nicht das, was sie sind. User könnten nicht mit Websites interagieren, es gäbe keine Funktionalität. Kein Leben. Ja okay… das klingt etwas abgehoben…. aber es ist doch so :P

Lasst Euch nicht ausnutzen!

Man sollte, vor allem als junger Berufseinsteiger, darauf achten, nicht ausgenutzt zu werden. Viele Firmen (hier gerne Agenturen) nutzen gerne die Hilfe von unerfahrenen Programmierern (oder angehenden Entwicklern), um Projekte möglichst gewinnbringend zu realisieren. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass der Coder für sehr wenig Geld sehr viel Arbeiten muss. Arbeitszeiten jenseits von Gut und Böse sind (leider) weit verbreitet. Man möge dazu auch mal hier nachlesen. Wer sich mit dem Gedanken trägt, hauptberuflich als Webentwickler arbeiten zu wollen, sollte sich dessen bewusst sein.

Wer allerdings bereits Erfahrung vorweisen kann, hat eine deutlich bessere Verhandlungsposition im Gespräch mit zukünftigen Arbeitgebern. Da geht dann auch ein sogenannter „9 to 5“ -Job, auch wenn das vor allem in Agenturen verpönt ist. Ich habe das große Glück, momentan von 7 Uhr bis 15:15 Uhr zu arbeiten. Das ist aber, soweit ich weiß, ziemlich ungewöhnlich für einen angestellten Entwickler. In meinen bisherigen Bewerbungsgesprächen (nicht mit meinem jetzigen Arbeitgeber) wurde mir deutlich zu verstehen gegeben, dass „9 to 5“ gar nicht ginge, unbezahlte Überstunden „nun mal dazu gehören“ (schließlich stellt der Arbeitgeber kostenlose Äpfel für die Sklaven Arbeitnehmer bereit) und das Einstiegsgehalt deutlich unter dem einer indischen Wäscherin liegen wird.

Persönlich habe ich das große Glück, branchenfremd angestellt zu sein. Ich habe noch nie in einer Agentur gearbeitet. Ich arbeite als Web-Entwickler für Unternehmen, die vornehmlich Online-Business betreiben oder zumindest die Kundenakquise größtenteils über das Internet erfolgt oder in Zukunft erfolgen soll. Das Glück an diesem Umstand ist vor allem, dass ich viele Bereiche des Online-Business abdecken kann, darf und muss. So bin ich nicht „nur“ der WordPress-Theme-Ersteller oder Plugin-Coder (wie es vermutlich oft in einer Agentur wäre). Ich arbeite jeden Tag am Code, am Design, betreibe Keyword-Recherche, optimiere die Sites für Suchmaschinen und User, betreibe A/B-Testing, denke mir neue Wege aus, User an unsere Sites zu binden und analysiere Besucherströme, das Kaufverhalten und die demografischen Merkmale meiner User.

Es ist mein Job, meine User zu kennen. Wie alt sind sie im Schnitt? Woher kommen sie? Was suchen sie? Finden sie es? Und wenn nicht: Warum nicht? Wie kann ich meine Site optimieren, so dass die User das finden, wonach sie suchen? Wie kann ich die Site schneller machen, benutzerfreundlicher, angenehmer?

Es ist mein Job als Web-Entwickler, all dies im Auge zu behalten. Es ist mein Job, den Aufenthalt auf der Website für den User so angenehm und für den Betreiber der Website so lukrativ wie möglich zu machen. Wenn der User zum Kunden wird und sein Geld gerne bei uns ausgibt, habe ich meinen Job gut gemacht.


Sei stolz!

Abschließend noch ein kurzer Satz, der für mich zum Grundsatz geworden ist. Dieser Satz hilft mir, meinem Arbeitgeber und meinen Kunden nur die geilste Arbeit abzuliefern. Ich habe diesen Satz verinnerlicht und ihn zu meinem Leitsatz gemacht.

Liefere nur das ab, worauf Du stolz bist.

Veröffentlicht von

Christian Hänsel

Web-Entwickler, SEO-Experte. Ich liebe technisches SEO, die Entwicklung von neuen Ideen und alles rund um das Internet... ja, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und gehe auch Montags gerne zur Arbeit.

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