Mein Libanon – eine Liebesgeschichte

Es gibt Menschen, die träumen ihr Leben lang von fernen Ländern, aufregenden Abenteuern, von der Erfüllung ihrer Träume.
Und es gibt Menschen, die machen es. Ich gehöre zu dieser Kategorie, denn ich habe gesehen, was ich sehen wollte und gemacht, was ich machen wollte.

Mit 18 Jahren habe ich mein Elternhaus verlassen und mich über einen Zeitraum von fast zehn Jahren auf Reisen begeben, die mich vieles gelehrt und mir viele schöne Flecken unserer Erde gezeigt haben. Man könnte also behaupten, dies sei eine Art Reisebericht. Irgendwie ist es das wohl auch – irgendwie aber auch nicht. Doch lest selbst.

Beeindruckend – Schön – Faszinierend.

Besonders beeindruckt hat mich ein Land, welches die meisten Menschen wohl nicht ohne weiteres mit Schönheit, Kultur und Gastfreundlichkeit in Verbindung bringen würden.

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Der Libanon

Ich bin im Jahr 2002 in den Libanon gereist. Der Grund dafür: Eine Frau :) Doch diesen Umstand will ich hier gar nicht groß beleuchten – es geht hier um das Land und die Leute.

Als ich im Flugzeug saß und während des Endanflugs auf das Land blickte, von dem ich so gut wie nichts wusste, war mir schon ein wenig mulmig. Was würde mich dort erwarten in diesem Land, das man nur aus den Nachrichten kennt? Bürgerkrieg, Autobomben, Hizbollah, der Tod – all das wäre zu erwarten, hat man mich gewarnt.

Beirut Airport - Foto: chuck holton @ flickr
Beirut Airport – Foto: chuck holton @ flickr

Was ich schließlich dort vorfand, prägt mich und meine Denkweise bis heute. Nach einigen Tagen der Akklimatisierung  war  ich bereit, diesem Land meinen Kopf und mein Herz zu öffnen und die Eindrücke vorurteilslos aufzunehmen.

Rabieh – Mtayleb

Ich habe in einem kleinen Zimmer in einem kleinen Haus in Rabieh – Mtayleb gewohnt. Etwa 8 Kilometer nördlich von Beirut gelegen, ist es in Rabieh doch wesentlich ruhiger als in der Hauptstadt selbst.
Die Tür zu diesem Raum zeigte Richtung Nordwest – also mit direktem Blick auf das Mittelmeer. Ich konnte so jeden Morgen vor die Tür gehen und die Schönheit des Meeres genießen, welches etwa 3km vor meiner Tür lag.

Hier ein Foto, auf dem das Haus, in dem ich wohnte, zu sehen ist (roter Kasten). Meine Wohnungstür habe ich mit dem kleinen Kasten markiert :)

Meine Wohnung in Rabieh Mtaileb
Meine Wohnung in Rabieh Mtaileb

 

 Gewöhnungsbedürftig

Das Leben im Libanon ist für einen Westeuropäer doch schon recht gewöhnungsbedürftig. An quasi jeder größeren Straßenkreuzung stehen (teils gepanzerte) Armeefahrzeuge mit bewaffneten Männern, und über der gesamten Gegend liegt oftmals ein Dunst aus Abgasen und Staub. Und dazu kommt noch die Temperatur! Schon Morgens kann man dort Werte von mehr als 30°C erleben, und es wird tagsüber noch heißer.

Quelle: http://beirutbeats.wordpress.com/tag/beirut/
Quelle: http://beirutbeats.wordpress.com

Taxi fahren ist besonders geil im Libanon. Dort gibt es zwei Arten von Taxi: Das normale Taxi, und das sogenannte „Service“ (nicht englisch ausgesprochen, sondern eher wie „servies“).

Das reguläre Taxi scheint im Libanon aus alten, vor 1970 ausgemusterten Fahrzeugen deutscher Bauart bestehen zu müssen. Das Bild links zeigt ein halbwegs typisches Taxi im Libanon. Kein Witz! (Natürlich gibt es auch tolle, neue Taxen. Aber die sind langweilig :D)

Auch die Fahrt in diesen Gefährten ist teils sehr abenteuerlich. Zum Beispiel sind die Libanesen allem Anschein nach der Ansicht, dass Ampeln in der ganzen Welt falsch interpretiert werden. Denn hier heißt es: Wenn deine Ampel rot zeigt: Fahr los! Und wenn Sie grün ist: Fahr vorsichtig, die anderen haben rot und werden mit Sicherheit fahren!

Es ist von geringem Interesse, wie gut die Bremsen, das Licht oder die Blinker funktionieren: Diese Bauteile werden, wenn überhaupt, nur im Notfall genutzt. Wichtig ist in diesem Land vor allem die Hupe. Ohne Hupe geht nichts. Beim Abbiegen, bremsen, beschleunigen oder einfach nur aus Jux und Dollerei: Es wird gehupt. Und es funktioniert! Ich habe kein anderes Land gesehen, in dem die Menschen so organisiert chaotisch fahren! Ich habe in den Monaten, die ich in diesem Land verbracht habe, nur zwei Unfälle gesehen, von denen ich einen am eigenen Leib erfahren musste. Dazu vielleicht später mehr. [TODO]

Das Service-Taxi transportiert mehrere Fahrgäste und hält auch mal mitten auf der Straße, um neue Passagiere zusteigen zu lassen. Hat man sein Ziel erreicht, ruft man einfach „Stop“. Das Service-Taxi ist wesentlich günstiger als das normale Taxi, beide sind jedoch wesentlich günstiger als wir Deutschen aus unserer Heimat gewöhnt sind. So kostet zum Beispiel eine einfache Fahrt von Downtown Beirut nach Rabieh etwa USD 2,50! Und all das ist Verhandlungssache. Ich habe schon Taxifahrer (über 60 Jahre alt) erlebt, die sich um eine 2-Dollar-Fahrt vor meinen Augen geprügelt haben. Da bekommt man schon mal einen kleinen Eindruck von den Bedingungen, unter denen viele dieser Leute leben.

Doch nicht nur die Taxifahrt ist im Libanon sehr kurios: Auch der normale Straßenverkehr ist, für einen unbedarften Deutschen, sehr gewöhnungsbedürftig.

Fahren im Libanon

Mein libanesischer Führerschein
Mein libanesischer Führerschein

Ich habe mir, aus Spaß an der Freude, damals einen libanesischen Führerschein zugelegt. Diesen besitze ich sogar heute noch, und er ist noch bis 2020 gültig! :D Ich könnte also, wenn ich wollte……  (und keine Familie hätte :o))

Es war kein großer Aufwand, den „Lappen“ zu bekommen. Man absolviert keine Fahrstunden, sondern macht nur eine Prüfung. Diese besteht aus 50 Meter vorwärts fahren, 10 Meter rückwärts fahren und rückwärts einparken. Dingdong, da ist das Teil. Es ist also fast schon ein Wunder, dass so wenige Unfälle passieren…

Direkt nachdem ich den Führerschein erhalten hatte, musste natürlich ein Auto her. Mir gefiel ein sehr geil aufgemachter (und natürlich sehr alter) VW Käfer. Doch auf anraten meiner damaligen Freundin („In einem kleinen Auto stirbst Du schneller“ oder so… ) habe ich mich dann doch recht schnell für ein größeres Auto entschieden. Es wurde also ein Ford Bronco II, in etwa wie dieser auf dem Foto.

Ford Bronco II. Quelle: Wikipedia
Ford Bronco II. Quelle: Wikipedia

Direkt nachdem ich den Führerschein erhalten hatte, musste natürlich ein Auto her. Mir gefiel ein sehr geil aufgemachter (und natürlich sehr alter) VW Käfer. Doch auf anraten meiner damaligen Freundin („In einem kleinen Auto stirbst Du schneller“ oder so… ) habe ich mich dann doch recht schnell für ein größeres Auto entschieden. Es wurde also ein Ford Bronco II, in etwa wie dieser auf dem Foto.

Damit traute ich mich nun endlich auf selbständig auf die Straßen Beiruts, auch wenn ich, ehrlich gesagt, immer ein klein wenig Angst hatte. Und diese Angst war nicht unbegründet! Die Hauptverkehrsstraße des Libanon, die von Norden nach Süden an der Mittelmeerküste entlang führt, ist mehrspurig. Kurz vor Beirut ist diese Straße, wenn ich mich recht erinnere, vierspurig. Das heißt aber nichts, denn sie wird gerne auch 6-spurig genutzt. Der Verkehr im Libanon ist einfach nur Wahnsinn! Sucht mal bei Youtube nach „Lebanon Traffic“ oder seht Euch mein Video an. Das Video ist die einzige Bild-Erinnerung, die ich an das Land habe. Bitte entschuldigt die miese Qualität! Es war 2002, ich hatte nur eine Kartoffel zur Videoaufzeichnung zur Verfügung und war leider nicht betrunken genug, um die Verwackler auszugleichen:

Oder dieser Clip! So ist es wirklich!


Um es kurz zu machen: Es macht riesigen Spaß, im Libanon Auto zu fahren. Leider ist mein Karren damals ziemlich schnell verreckt (Motorschaden), und widrige Umstände hielten mich davon ab, den Verkäufer des Fahrzeugs (ein Autohändler, kein Privatmensch) zu belangen. Dazu mag ich nicht mehr sagen ;)

Mein Fazit

Das Land, die Leute, das tägliche Leben dort haben mich enorm beeindruckt. Ich habe dort gelernt, mein Leben etwas anders zu sehen, als ich es vor meiner Reise getan habe. Ich bin dort lockerer geworden, entspannter.

شكرا

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von

Christian Hänsel

Web-Entwickler, SEO-Experte. Ich liebe technisches SEO, die Entwicklung von neuen Ideen und alles rund um das Internet... ja, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und gehe auch Montags gerne zur Arbeit.

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