Amazon verbietet anreizbasierte Rezensionen

Anreizbasierte Bewertungen bei Amazon Deutschland untersagt

Nun hat es also auch Deutschland getroffen. Amazon verbietet den Sellern, durch kostenlose oder vergünstigte Produkte Bewertungen zu bekommen.
Hintergrund der ganzen Aktion scheint zu sein, dass zu viele Bewertungen den Rezensionsbereich und damit die Bewertung der Produkte verfälschen könnten, wenn diese Bewertungen direkt oder indirekt durch Preisnachlass oder gar kostenlose Bereitstellung des Produkts für den Bewerter beeinflusst sein könnten. 

Amazon zieht bei Bewertungen den Schlussstrich

Bisher wurde es oft so gehandhabt, dass ein Seller auf Amazon seine – oftmals neuen – Produkte pushen wollte – und das geht nun einmal fast nur mit guten Bewertungen. Produkte ohne Bewertungen haben oftmals sogar schlechtere Chancen auf einen Verkauf als Produkte mit eher negativen Bewertungen.

Seller setzen oftmals auf Produkttester, die ihre Produkte testen und rezensieren. Diese Tester werden entweder auf einschlägigen Internet-Plattformen oder auch in Facebook-Gruppen gefunden.

Für eine Rezension werden dem Tester die Produkte oftmals kostenlos – oder zumindest stark vergünstigt – zur Verfügung gestellt. Die Rezension musste auch bisher immer darauf hinweisen, dass das Produkt vergünstigt oder kostenlos für den Produkttest zur Verfügung gestellt wurde.

Selbst wenn dieser Hinweis in den Rezensionen enthalten ist, wird durch die Rezension die Bewertung des Produkts beeinflusst – meist natürlich positiv, denn man will ja auch weiterhin als Tester Produkte erhalten. Das ist natürlich nur eine Vermutung – beweisen kann man hier nichts.

Amazon will ehrliche Bewertungen – und das ist auch gut so

Amazon hat nun allem Anschein nach im Seller Central folgenden Text veröffentlicht. Diesen habe ich auf Facebook aufgegriffen – ich selbst habe keinen Zugriff auf Seller Central.

Zusätzliche Informationen zu den Richtlinien für anreizbasierte Bewertungen
22.11.2016
Amazon hat vor Kurzem die Richtlinien zum Verbot von anreizbasierten Bewertungen aktualisiert, einschließlich derer, die im Austausch gegen ein kostenloses oder vergünstigtes Exemplar des Produkts abgegeben werden.

Wir betrachten eine Bewertung als anreizbasiert, wenn Sie die Bewertung direkt oder indirekt beeinflusst haben oder die Möglichkeit haben, sie direkt oder indirekt zu beeinflussen. Dazu zählen beispielsweise die Überwachung, ob eine Bewertung geschrieben wurde, oder die Bereitstellung oder Einbehaltung zukünftiger Vorteile, je nachdem, ob eine Bewertung geschrieben wird oder wie der Inhalt der Bewertung ausfällt. Nachfolgend finden Sie einige Beispiele, in denen eine Bewertung als anreizbasiert angesehen wird und nicht zulässig ist:

Sie stellen ein kostenloses oder vergünstigtes Produkt, einen Geschenkgutschein, Rabatte, Geldzahlungen oder andere Vergütungen als Gegenleistung für die Bewertung bereit.
Sie bieten kostenlose oder reduzierte Produkte oder andere Vorteile an oder behalten diese in Zukunft ein, je nachdem, ob der Kunde eine Bewertung schreibt oder nicht.
Sie verwenden einen Bewertungsservice, bei dem die fortlaufende Mitgliedschaft des Bewerters vom Schreiben von Bewertungen abhängt.
Sie verwenden einen Bewertungsservice, bei dem Sie Kunden basierend auf deren Bewertungen einstufen können.
Sie verwenden einen Bewertungsservice, bei dem Kunden ihr öffentliches Amazon-Profil registrieren, sodass Sie die Bewertungen Ihrer Produkte überwachen können.
Die Bereitstellung von Anreizen für Kundenbewertungen verstößt gegen unsere Richtlinien und möglicherweise auch gegen den Federal Trade Commission Act.

Die folgenden Aktionen sind im Allgemeinen zulässig, sofern Sie die oben genannten Einschränkungen beachten:

Sie können Rabatte anbieten, die generell für alle Kunden verfügbar sind, wie zum Beispiel Blitzangebote.
Sie dürfen kostenlose Produkte auf Fachmessen, Kongressen oder ähnlichen Veranstaltungen ausgeben, bei denen es Ihnen nicht möglich ist, zu überprüfen, ob Empfänger eine Bewertung schreiben, oder Vorteile bereitzustellen oder zurückzuhalten, je nachdem, ob eine Bewertung geschrieben wird oder wie der Inhalt der Bewertung ausfällt.
Die oben genannten Änderungen betreffen nur andere Produktkategorien als Bücher. Das Bereitstellen von Rezensionsexemplaren von Büchern – eine lang bewährte Praktik – ist auch weiterhin gestattet.

Im Grunde möchte Amazon also zurück zu echten Rezensionen, echtem Mehrwert und mehr Glaubwürdigkeit für seine Kunden.

Man will weg von Bewertungen, die durch die Bereitstellung von kostenlosen oder vergünstigten Produkten beeinflusst werden könnten. Das ist ein großer Schritt, aber auch ein wichtiger, wie ich finde.

Ich persönlich finde, dass dies ein guter und richtiger Schritt ist. Ob es etwas bringt, sei dahingestellt, denn findige Seller werden immer einen Weg finden, die eigenen Produkte zu pushen.

Weg von Amazon – hin zu Bloggern?

Vielleicht wird es auch Zeit für die Seller, mal ein wenig den Focus von Amazon zu nehmen und über weitere Kanäle des Bewertungsmarketings nachzudenken. Man könnte ja zum Beispiel auch einfach mal Blogger anschreiben und fragen, ob diese nicht einmal das Produkt testen möchten. Ich habe schon Produkttests sowohl auf Amazon als auch auf meinen Blogs durchgeführt – und es war immer eine faire Partie für beide Parteien.

Gerade erfolgreiche Blogger (also nicht ich) besitzen eine riesige Reichweite. Und zwar nicht nur auf dem Blog, sondern vor allem auch auf ihren Social-Media-Kanälen wie Youtube, Pinterest, Facebook und Co.

Ach ja…  

Ob diese Maßnahme auch den Amazon-eigenen Dienst Vine einschließt, wird sich zeigen :)

Veröffentlicht von

Christian Hänsel

Web-Entwickler, SEO-Experte. Ich liebe technisches SEO, die Entwicklung von neuen Ideen und alles rund um das Internet... ja, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und gehe auch Montags gerne zur Arbeit.

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