Online-Ansicht der Rechnung im Rechnungsprogramm invoiz

invoiz versendet keine PDF-Rechnungen mehr

Mein Lieblings-Rechnungsprogramm invoiz von Deltra (Buhl) hat den Rechungsversand per E-Mail umgestellt. Was das für Dich und mich bedeutet, zeige ich in diesem Beitrag.

Noch vor einiger Zeit wurde nach dem Erstellen einer Rechnung in invoiz angeboten, die Rechnung als PDF per E-Mail an den Kunden zu versenden. Dieses PDF wurde an die E-Mail angehängt und an den Kunden geschickt.

Seit kurzem verschickt das Programm allerdings keinen PDF-Anhang mehr. Vielmehr enthält die E-Mail an den Kunden einen Link zur Online-Rechnung auf der invoiz-Plattform.

Klickt der Kunde auf diesen Link, erhält er folgende Ansicht:

Online-Ansicht der Rechnung im Rechnungsprogramm invoiz
Online-Ansicht der Rechnung in invoiz

Aber was hat es damit auf sich? Wieso werden die Rechnungen nicht mehr per E-Mail an den Kunden geschickt? Ich persönlich finde es eher unschön – und für meinen Kunden eher umständlich, da er jetzt „noch mehr Arbeit“ mit meiner Rechnung hat. Na klar könnte ich in invoiz auch das PDF herunterladen und meinem Kunden per E-Mail senden – aber das ist dann für mich wieder mit mehr Aufwand verbunden.

Es gibt meines Wissens auch keine Einstellung mit der ich sagen kann, dass ich lieber die Rechnung als PDF-Anhang versenden möchte. Das wäre wenigstens noch eine sinnvolle Alternative zu dieser neuen „Zwangsmaßnahme“.

Mein Facebook-Freund Guido Gallenkamp hat noch zwei – wie ich finde sehr wichtige – Fragen dazu. Die erste kommt hier, die zweite weiter unten im Beitrag.

  • Wenn ich nur den Link versende, gilt die Rechnung dann als zugestellt?

Was steckt also dahinter?

Ich kann natürlich nur mutmaßen. Als Entwickler und Unternehmer kann ich mich relativ gut in die Position von invoiz hinein versetzen. Was brächte es mit als invoiz, die E-Mails nicht mehr mit PDF-Anhang zu senden, sondern den Kunden meines Kunden auf meine Website zu bringen?

Natürlich habe ich zuerst einmal Analysedaten. Ich weiß also, welcher Kunde wann welche Rechnung aufruft. Außerdem werde ich so meinen Namen bzw. meine Software etwas bekannter machen.

Aber das kann doch nicht alles sein. Zumindest nicht aus unternehmerischer Sicht. Was könnte mich denn als Unternehmen dazu bewegen, die Kunden meiner Kunden dazu zu bringen, die Rechnung auf meiner Website aufzurufen?

Eventuell hilft uns dieser Screenshot, den ich vor ein paar Wochen gemacht habe. Er zeigt die Push-Benachrichtigungen, welche ich über die invoiz-App erhalten habe. Hier lief anscheinend ein Feature-Test mit Push-Benachrichtigungen im Live-System (wieso auch immer…), und ich habe folgende Benachrichtigungen erhalten:

invoiz App Push Benachrichtigungen zu Advance Pay.

Der Titel der Benachrichtigungen lautet „Advance Pay Title“ und der Message Body „Invoiz Pay Message“.

Hier liegt für mich natürlich die Überlegung nahe, dass an einem Payment-System gearbeitet wird, welches meinen Kunden erlaubt, über die invoiz-Website meine Rechnungen zu bezahlen. Wieso auch sonst sollte ich in der App eine Push-Mitteilung erhalten, welche mich über ein Payment informiert.

Jetzt stellt sich wieder die Frage: Was hat invoiz davon? Natürlich wäre es für mich als invoiz-Kunden schön, wenn meine Kunden meine Rechnungen nicht nur per Paypal oder Banküberweisung, sondern zukünftig auch direkt über invoiz zahlen können.

Aber: Wie würde invoiz das realisieren?

Ein kleiner Blick in die Chrome-Devtools – genauer gesagt in die geladene checkout.js (sagt der Name nicht schon vieles?) zeigt uns folgendes Bild:

invoiz hat stripe-Elemente im Code

Wenn man sich den Code genauer ansieht, erhält man unter anderem Folgendes:

invoiz enthält in der Datei checkout.js also relativ viele Hinweise auf den StripeCheckout. Das scheint ein ziemlich sicherer Hinweis auf die Nutzung des Services zu sein.

Auch in anderen Dateien wird Stripe bereits genutzt. So zum Beispiel ist in den Devtools bereits ein Stripe Token stripe.token  zu sehen.

Aber Stripe kostet Geld. Laut der Stripe-Website:

Wie würde invoiz denn – falls Stripe genutzt werden sollte – diese Mehrkosten wieder reinholen? Über die Premium-Kunden? Oder aber über die auf der invoiz-Plattform bezahlten Rechnungen?

Sollte invoiz also dazu übergehen, meinen Kunden eine Bezahlmöglichkeit auf der invoiz-Plattform anzubieten und dafür ein Entgeld zu verlangen? Falls das so wäre, müsste ich ja vorab informiert werden. Das ist noch nicht geschehen. (Muss es ja auch nicht, ist ja noch nichts passiert.)

Und, ganz wichtig: müsste ich meinen Kunden VOR dem Klick auf den Link über irgendwelche datenschutzrechtlich relevanten Themen hinweisen bzw. einwilligen lassen, falls Stripe genutzt werden sollte oder bereits wird (woher kommt der Stripe Token?)?  (Danke noch einmal an Guido Gallenkamp für diesen Gedanken).

Immerhin sitzt Stripe Inc. in San Francisco, USA und erhebt laut der Datenschutzerklärung viele Daten. Das muss es natürlich auch, denn hier müssen Rechnungsdaten inkl. Kundendaten verwaltet bzw. genutzt werden. Ich hoffe, dass invoiz daran gedacht hat (falls Stripe tatsächlich genutzt werden sollte).

Falls invoiz diesen Weg gehen würde, könnte ich mir folgende Szenarien vorstellen:

  • Ich möchte das nicht, und kann in den invoiz-Einstellungen diese Funktion deaktiveren
  • invoiz macht dieses Feature für alle verfügbar, verzichtet auf das Opt-Out und zieht mir pro über das Portal gezahlter Rechnung Geld ab

 

Das zweite Szenario ist für mich persönlich ein absolutes No-Go – und ich kann mir nicht vorstellen, dass invoiz so arbeiten würde.

Für viele wäre es bestimmt schön, wenn man seine Kunden direkt auf der Plattform bezahlen lassen könnte. Für mich nicht – zumindest nicht, wenn ich dafür extra zur Kasse gebeten werde. Zumindest müsste invoiz mir die Möglichkeit bieten, die Bezahlmethode zu deaktivieren.

Aber wie gesagt: Das hier ist reine Spekulation. Ich weiß natürlich nicht, was es mit all dem auf sich hat. Aber für mich ist dies schon eine relativ logische Erklärung.

 

Veröffentlicht von

Christian Hänsel

Web-Entwickler, SEO-Experte. Ich liebe technisches SEO, die Entwicklung von neuen Ideen und alles rund um das Internet... ja, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und gehe auch Montags gerne zur Arbeit.

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