Hunde Martha aus Lemgo - Martha Dünker

Martha Dünker – eine Lemgoerin mit Geschichte

In meiner Heimatstadt Lemgo gibt es – wie in vielen anderen Städten auch – einige Menschen, die nicht so recht in das Stadtbild passen, da sie sich nicht anpassen und am „normalen Leben“ teilhaben.

So scheint es auch Martha Dünker ergangen zu sein, die in Lemgo zwar sehr bekannt war, aber von nur sehr wenigen Menschen wirklich gekannt wurde.

Wer war Martha Dünker?

Martha Dünker war den meisten Lemgoern unter einem anderen Namen bekannt. Meist wurde sie – leider eher abfällig – als „Hunde-Martha“ bezeichnet.

Diese Bezeichnung rührt daher, dass sie, wenn man sie sah, meist von mehreren Hunden umgeben war. Meist sah man sie mit ihrem Kinderwagen, in dem sie ihre Sachen – oder auch das Futter für die Hunde – transportierte.

Auch wenn Martha Dünker oft gemieden wurde, wa sie laut Aussagen von vielen Menschen auf Facebook eine sehr liebenswerte, wenn auch etwas verschrobene Frau. Man musste sie anscheinend einfach nur besser kennenlernen.

Ich habe einmal bei der Stadt Lemgo angefragt und um Informationen zu Martha Dünker gebeten.

Mich erreichten daraufhin E-Mails von Marcel Oeben sowie Jürgen Scheffler (beide Stadt Lemgo) mit einigen Informationen, die ich nachfolgend – minimal geändert – wiedergebe.

Martha Dünker wurde als Martha Arndt am 23.04.1912 in Schönhagen (heute Extertal) geboren.

Nach der älteren Einwohnermeldekartei ist sie 1930 von Detmold nach Eben-Ezer, wohl als Pflegling, gezogen.

Am 31.12.1940 ist sie im Lindenhaus (Lippische Heil- und Pflegeanstalt) gemeldet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wechseln sich verschiedene Privatadressen ab.

Am 14.02.1952 heiratete sie in Lemgo Wilhelm Dünker (geb. 18.06.1901 in Knetterheide, heute Bad Salzuflen – gestorben 12.12.1970 in Lemgo).

Martha Dünker lebte zwischenzeitlich im Wachhaus am Biesterberg, bis in diesem ein Brand ausbrach. Martha Dünker wurde daraufhin wohl in der Gantengabel untergebracht.

Der folgende Absatz stammt von Andreas Laubert, gepostet am 15.08.2017 in der Facebook-Gruppe „Wenn Du in Lemgo lebst oder aufgewachsen bist…“

Martha Dünker […] lebte lange Zeit ganz alleine mit Ihren Hunden oben auf dem Biesterberg in einen kleinen Häuschen ohne Strom und Wasseranschluß noch zu Zeiten wo dieser Truppenübungsplatz war. Selbst nach einem Brand des Gebäudes, wo sie selber schwere Verbrennungen erlitt blieb sie dort wohnen, bevor sie dann auf das Gelände der Lehmkuhle zog. Ihr wurden stetig Hunde von Seiten des Kreisveterinäramtes entzogen. Ihr Liebling war die schwarze Dogge „Pascha“ welcher stetig treu an ihrer Seite neben dem Kinderwagen ging wenn sie auf Tour in der Stadt war. Für sie waren ihre Hunde ihre Welt, ein Kinderersatz sowie Partnersatz. Sie wurde im 3. Reich Zwangsweise sterillisiert, und ihr Partner fiel im Krieg. So meine Großtante Frieda, welche „Hunde- Martha“ und ihre Lebensgeschichte kannte! Hunde- Martha fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof „Lagesche Straße“ wo ihre Urne nach langer Zeit des Hickhacks um die Kosten beigesetzt wurde!

Zuletzt war Frau Dünker in der Gantengabel 13b bzw. Lortzingstraße 13 gemeldet, bevor sie 1995 ins Kreisaltenheim Blomberg verzogen ist, wo sie am 09.12.1995 verstorben ist.

Gerüchte lassen vermuten, dass Frau Dünker einer sog. Zwangssterilisation während ihres Aufenthaltes bei Eben-Ezer oder im Lindenhaus unterzogen wurde. Beweise hierfür liegen mir allerdings nicht vor.

Frau Dünker war aufgrund ihrer Lebensumstände nicht unumstritten. So gab es häufig Beschwerden von Bürgern und Ämtern, meist aufgrund von lautem Hundegebell oder des schlechten Zustands der in ihrem Haus untergrbrachten Hunde.

Beitrag zu Martha Dünker in der Lippischen Landeszeitung Nr. 293, Samstag/Sonntag, 17./18. Dezember 2005. 
Der Beitrag wird mit freundlicher Genehmigung der LZ hier veröffentlicht.

Den Archivbeitrag der LZ zu Martha Dünker jetzt herunterladen.

Als Schlußwort zu diesem Beitrag über Martha Dünker möchte ich gerne den Facebook-Kommentar von Marianne Wortmann hier posten.

Es sind oft die in unseren Augen skurrilen Menschen nach denen man sich umdreht oder die man belächelt, weil sie anders sind als wir. Die ihre ganze liebe den Tieren schenken und von denen bedingungslos wieder geliebt werden. Man kann nicht mal erahnen was solche Menschen erlebt haben, aber schön, dass sie noch in der Erinnerung einiger da sind .
Marianne Wortmann auf Facebook

 

Was weißt Du über Martha Dünker / Hunde-Martha?

Wenn Du Martha Dünker gekannt hast, kannst Du unter diesem Beitrag gerne Deine Erinnerungen an Martha Dünker veröffentlichen. Ich würde mich sehr freuen, möglichst viele Geschichten und Erinnerungen an Frau Dünker zusammentragen zu können.

In diesem Zuge würde ich dann die Kommentare unter diesem Beitrag in den Beitrag selbst übernehmen.

Ich freue mich auf Deine Erinnerungen.

2 Antworten auf „Martha Dünker – eine Lemgoerin mit Geschichte“

  1. Sehr schön geschrieben! Ich bin zu jung um Sie gekannt zu haben. Aber mal ehrlich, ist es nicht einfach wahnsinnig toll, dass es Menschen gibt, egal wie sie aussehen das sie sich um Tiere kümmern? Hunde sind wie Kinder. Toll und auch mal laut!😊 Man soll nicht immer über andere meckern, wie sie aussehen oder sonst was. Mankennt nie die Geschichte dahinter. Es ist genau wie Menschen in Jogginghosen die hier oft als Assi betitelt werden. In anderen Ländern stecken oft Leute in Jogginghose drin, die Millionäre sind. Was ich damit sagen möchte, man sollte nie übers aussehen urteilen. Ob dick oder dünn, crazy oder zurückgezogen . Wir sind alles Menschen!

  2. Frau Dünker hat lange Zeit am Liemerweg, bzw. an der Bega gelebt, daran erinnere ich mich sehr gut. Die Nachbarin war eine Frau Overath…
    bei uns in der Familie hieß sie Hundelieschen, mein Großvater war ein Pferdenarr, er hatte großes Verständnis für Frau Dünker s Liebe zu Hunden, er hat ihr wohl mal mit dem Bau von Zäunen geholfen. Er sprach regelmäßig mit ihr ä, was meine Oma nicht verstehen konnte ..

    An der Bega waren die Hunde viel festgebunden gewesen und so machten sie im Rudel Krach, wenn jemand die Straße entlang kam.
    So hatte mein Opa ihr was umzäunt.
    LG Susanne

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