Qualität hat ihren Preis – Auch im Web


Nachdem ich von meinen Erfahrungen während meiner Jobsuche berichtet hatte, erreichte mich eine Welle von Mails und Facebook-Nachrichten, die mir zeigten, dass viele andere Web-Worker (also Designer, Entwickler, Programmierer) ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Viele dieser Zuschriften enthielten auch Kommentare zum Thema Billiglöhner im Web. Auf dieses Thema möchte ich in diesem Beitrag näher eingehen.

Der Web-Markt ist ein hartes Pflaster

Kämpfen um den Kunden ­ WikiImages / Pixabay

Wer im Bereich Web arbeitet, weiß es. Der Markt ist überrannt von Entwicklern, Designern, Programmierern, SEO-Profis und selbsternannten Marketing-Gurus. Als selbständiger Web-Worker hat man es schwer, sich auf dem Markt zu behaupten und seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Wer heutzutage als Web-Arbeiter sein Geld verdienen will, muss entweder einen bereits bestehenden Kundenstamm übernehmen oder wissen, wie man sich am Markt aufstellt und behauptet. Ein Neueinstieg in den Markt fällt selbst erfahrenen Geschäftsleuten schwer, da der Markt sehr unübersichtlich und unstrukturiert ist.

Ein Maurer kennt seine Mitbewerber. Im Umkreis von vielleicht 20km kennt er jeden Maurer, vermutlich sogar persönlich. Er weiß, welcher Mitbewerber so gut ist wie er (oder vielleicht sogar besser), wie die Preise der anderen sind und wer in „seinem Gebiet fischt“.

Für uns Web-Fuzzis ist die Lage da wesentlich unübersichtlicher. Es gibt lokale Anbieter (die wir vermutlich kennen), es gibt nationale Anbieter und auch internationale Player. Die internationalen Konzerne zähle ich persönlich nicht zu meiner Konkurrenz, da ich nicht dieselbe Zielgruppe habe wie diese Anbieter. Ich bin niemand, der einer BMW-Konzerngruppe SEO für ihre Seiten anbieten möchte.

Die nationalen Anbieter sind, meines Erachtens, überschaubar. Auch diese konzentrieren sich im Wesentlichen auf die mittleren bis großen Unternehmen und geben sich erst gar nicht mit dem „Kleinvieh“ ab, von dem viele von uns leben.

Der lokale Markt vs. Billiglöhner aus dem Ausland

Programmers in India
shumicpi / Pixabay

Um dieses „Kleinvieh“, oder den normalen Kunden, schlagen wir uns nun Tag für Tag. Wir unterbieten uns gegenseitig und sehen dabei zwar, dass wir uns selbst die Preise kaputt machen, aber ändern tun wir daran nichts, weil man ja den Auftrag braucht. Man verspricht sich selbst (und der Branche), dass man es beim nächsten Kunden besser machen wird.

Verschärft wird diese Konkurrenzsituation noch durch die Billiglöhner aus dem In- und Ausland. Auf Freelancer-Börsen wir Freelancer.com (siehe Screenshot) werden Projekte von Auftraggebern eingestellt, auf die der jeweilige Freelancer dann „mitbieten“ darf. Das Verfahren ist einfach: Unterbiete die  anderen Bieter.

Dabei werden die Preise natürlich auf einen Bruchteil des eigentlich für ein solches Projekt anzusetzenden Preises gedrückt.

Freelancer-Projekt
Freelancer-Projekt mit vielen Bietern aus Bangladesch und Indien

Die Mehrzahl der Anbieter kommt in der Regel aus dem mittleren Osten. Im Fall des Projektes im (bearbeiteten) Screenshot vornehmlich aus Bangladesch und Indien. Die veranschlagten Preise bewegen sich bei diesem Projekt zwischen € 750,- und € 3.333,-, wobei der letztgenannte Preis m. E. der ralistischste Preis in dieser Auflistung sein dürfte.

Der Auftraggeber hat natürlich auch seine Preisvorstellung genannt: € 750,- bis € 1.500,-.

Kein Entwickler aus Deutschland, der etwas auf sich und seine Arbeit hält und von dieser leben muss, wird zu einem solchen Preis arbeiten (können). Arbeitszeit kostet Geld. Dazu gehört nicht nur die eigentliche Erstellung der Site, sondern vor allem die Planung und der Entwurf, die stundenlangen Gespräche und Email- Konversationen mit dem Kunden, Revisionen und Optimierung. Es steckt sehr viel Arbeit in einem Web-Projekt – sei es auch (vermeintlich) noch so klein.

Auftraggeber, die auf Freelancerbörsen nach Entwicklern suchen, sind in meinen Augen entweder nicht imstande, den wahren Wert einer vernünftigen und professionellen Arbeit einzuschätzen, oder es ist ihnen vollkommen egal.

Der Kunde, den wir nicht wollen

Egal, welche dieser beiden Vermutungen zutrifft: Dies ist der Kunde, den wir nicht wollen. Dieser Kunden wird unsere Arbeit nie zu schätzen wissen, und auch bei Folgeaufträgen wird er immer den Preis drücken wollen. Wir werden bei diesem Kunden niemals dieses gute Bauchgefühl haben, dass uns unsere Arbeit so erleichtert.

Wir wollen den Kunden, der unsere Arbeit zu schätzen weiß. Den Kunden, der begeistert ist, wenn er etwas neues, schönes, richtig geiles auf seiner Website sieht. Den Kunden der stolz ist auf das, was wir abliefern.

Denn genau darum geht es uns doch (in den meisten Fällen). Wir sind Webentwickler, Designer und Programmierer, weil wir es lieben. Wir sind stolz auf das, was wir abliefern. Wir wollen Kunden gewinnen, aber vor allem behalten.

Liebe Kunden und die, die es noch nicht sind: Die Webseiten, die Projekte, die wir abliefern, sind unsere „Babys“. Sie sind in unseren Köpfen entstanden und herangewachsen. Wir sind nachts aufgewacht und haben neue Ideen für Eure Projekte gehabt. Wir haben uns nachts um drei Uhr an den Rechner gesetzt weil uns die geile Idee für Eure 500-Euro-Landing-Page gekommen ist. Wir arbeiten auch an Eurem Projekt wenn wir spazieren gehen, schwimmen, Radfahren oder (ja, manchmal auch dann) mit der liebsten beim Candle-Light-Dinner sitzen.

Wir lesen stundenlang in zu teurer Fachliteratur, lesen täglich über aktuellste Neuerungen im Web-Development, versuchen neue Dinge auf neue Art und Weise. Wir „spielen“ mit neuen Ideen, sunden-, tage- und wochenlang, um immer besser zu werden. Und das alles nur mit einem Ziel: Dir, dem Kunden das bestmögliche Resultat zu liefern.

Eure Projekte bedeuten uns etwas. Wir sind stolz auf unsere Arbeit. Und das, liebe Kunden, ist der Grundstein von Qualität.

Qualität hat ihren Preis. Auch im Web.

Was sind Eure Gedanken dazu? Ich würde mich freuen, wenn Ihr in den Kommentaren erzählt, was Ihr denkt. :)


 

Quelle Artikelbild: frankobingen / Pixabay

Veröffentlicht von

Christian Hänsel

Web-Entwickler, SEO-Experte. Ich liebe technisches SEO, die Entwicklung von neuen Ideen und alles rund um das Internet... ja, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und gehe auch Montags gerne zur Arbeit.

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